Über Sonderbarkeiten in Hotels der Welt. Heute: Kopfkissen.

12. August 2011 geschrieben von Max von Lingen

Ich habe immer ein Lieblingsthema, wenn ich mein Zimmer im Hotel betrete. Wenn ich nach den Empfangszeremonien, dem hotelunterschiedlichen Duft im Fahrstuhl und dem ersten Eindruck auf dem Hotelflur, meine Zimmertür zumeist mit einer Karte geöffnet habe und mein Zuhause für die nächste Nacht in Augenschein nehme: mein Blick fällt dann als Erstes auf das Kopfkissen.

 

Manchmal liegt es da, verloren, oben auf dem weißen Bettlaken, klein (40 x 80 cm) und von einer sichtbar unanpassbaren Weichheit, die sich beim Betasten der darin enthaltenen Schaumstoffbällchen schnell in eine tiefe und beunruhigende Gewissheit verwandelt. Darauf also soll ich meinen Kopf zum Träumen legen? Wohl eher werde ich vor Schlaflosigkeit die darin enthaltenen Schaumstoffbällchen zählen und dann in der Nacht immer wieder aufs Neue versuchen das Kissen zusammen zu falten und irgendwie eine Position für den Kopf zu finden. Weil ich das schon weiß schaue ich meist Fernsehen, bis mein Kopf eine sich bettendende Einheit mit einer Mischung aus Holztafelrückwand der Abstellkonsole hinter dem Bett und Schaumstoffkügelchen im Kissen bildet. Das hält dann meist bis in die frühen Morgenstunden. Wenn ich den Kopf dann cira um halb sechs aus dieser Konstellation vom Kissen nehme und mir müde den verspannten Nacken reibe, poppt es auseinander als wäre nichts gewesen und liegt wieder unschuldig verloren auf dem weißen Bettlaken. Diese Art Kopfkissen hält vermutlich ewig.

 

Es gibt aber auch das andere Extrem: Kissen, die so groß (80 x 80 cm) aber dabei so künstlich aufgebläht sind, als hätten sie zum Abendessen daselbst einen Bohneneintopf vertilgt. Denkt man nichts Böses und bettet seinen Kopf entspannt nach hinten, fällt man hier ins Bodenlose. Ein direkter leiser Aufschlag auf der Matratze, der Kopf unnatürlich flach nach hinten überstreckt und ein leises „pouff“ um die Ohren. Aus dieser Art von Kissen ist die Luft schnell raus und selbst mehrfaches Falten schafft hier keine merkliche Substanz. Ich habe noch nicht rausgekriegt mit was diese Kissen gefüllt sind, es muss eine Art hyperelastischer Federn sein, die sich wie das Atomium in Brüssel zu einer festen Struktur und Volumen aufbauen, die sich dann allerdings wie ein Kartenhaus in Nichts auflöst, wenn man damit in Berührung kommt. Im Vergleich zu den Schaumstoffkügelchenkissen, haben diese hier den Nachteil, dass sie nicht einmal zur Unterfütterung des Kopfes beim Fernsehgucken im Bett taugen.

 

Ein immer wieder überraschendes Erlebnis sind die Kopfkissen, die man zunächst gar nicht sieht, da sie unter einer schweren Gelsenkirchener Barock-Brokat bestickten Tagesdecke zunächst darauf warten vom Schlafsuchenden entdeckt zu werden. Hier sind die eigentlich (80 x 80 cm) großen Kissen oft auf (80 x 40 cm) gefaltet, offensichtlich um mehr Volumen unter der schweren Tagesdecke anzuzeigen. Diese würde das Kissen sonst durch ihr nicht unerhebliches Eigengewicht vermutlich platt drücken und der typische Kopfkissenwobbel dieser Konstellation würde entfallen. Dabei sind diese Kissen meist an sich so fest, dass man mit seinem Kopf beim „Aufschlag“ das Gefühl hat einen Gipsabdruck zu hinterlassen. Immerhin, meist kann man sich damit arrangieren indem man die Füllung in eine Ecke versucht zu drücken und dann auf dem linken oder rechten unteren Zipfel bequem zu liegen versucht. Das gelingt eigentlich ganz gut, vorausgesetzt man schafft es die Tagesdecke mit ihrem wirklich oft erstaunlichen Liegendgewicht zur Seite zu hieven ohne sich dabei einen Hexenschuss zuzuziehen.

 

Inzwischen bin ich gerade übrigens dazu übergegangen mit meinen eigenen Kopfkissenbezug anzureisen. Den stülpe ich dann über das meist zur Dekoration drappierte Sessel- oder Sofakissen. Die sind nämlich meist in Ordnung und bieten alleine oder in Kombination mit dem angebotenen Schlafkissen, eine ganz brauchbare Basis um neben all den anderen Sonderbarkeiten, die Hotelzimmer auf der Welt so bieten können, ein paar angenehme Träume zu erhaschen.

 

In diesem Sinne: betten Sie sich wohl und achten Sie auf Ihr Hotel.

Veröffentlicht in Max von Lingen Kolumne

Eien Antwort zu Über Sonderbarkeiten in Hotels der Welt. Heute: Kopfkissen.

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    id="comment-10"> Kristabelle kommentiert:

    Now that’s sutlbe! Great to hear from you.

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